Südafrika

14.2. - 12.5.2015

Statistik Südafrika

  1. 96 Tage im Land
  2. 20 Nächte in Hotel
  3. 19 Nächte bei Privat
  4. 49 Nächte im Zelt
  5. 59 Tage im Sattel
  6. 3994 km / 35269 hm
  7. 15 Pannen

Auf Knall und Fall nach Kapstadt

Irgendwo in Sambia haben wir uns bereits zum dritten Mal auf dieser Reise einen Flanschbruch an der Rohloffnabe eingefangen. Für uns ist klar: nochmals wechseln wir das Gehäuse nicht aus und lassen uns von der Firma Rohloff vorwerfen, dass wir die Speichenspannung nicht regelmässig kontrolliert hätten und dies unser Fehler sei. Spätestens jetzt sind wir uns einig, dass die Rohloffnabe für eine solche Reise mit dem Tandem nicht geeignet ist und entschliessen uns, auf eine herkömmliche Schaltung umzusteigen. In Pietermaritzburg, dem Bike-Mekka schlechthin in Südafrika, finden wir einen guten Bikeshop, welcher uns eine herkömmliche Schaltung einbaut. Leider aber ist die Kurbelgarnitur beim Pino ein Spezialteil, weshalb nur hinten ein Wechsler verbaut werden kann. Fortan sind wir also mit nur 8 Gängen unterwegs. Ob dies bei den steilen Etappen, welche uns in Südafrika und vor allem auch in Lesotho erwarten, genügt?​

Beinahe hätten wir diese Frage nie beantworten können. Von Howick aus erhalten wir nämlich von Kevin und Cindy, welche wir in der Mongolei kennen gelernt haben, einen Transport in die Nähe des Golden Gate Nationalparks. Normalerweise wären wir die Strecke ohne Frage mit dem Velo gefahren, aber sie nutzen dies gleich als Möglichkeit, ihre Freunde zu besuchen. Das Pino wird auf die Lädefläche von ihrem Pick up verladen und los geht’s. Schlafend geniessen Alena und ich die Fahrt im Auto, doch plötzlich schreit Kevin auf. Ich schrecke auf und erwarte, dass wir jeden Moment in etwas reinfahren. Doch der Weg vor uns ist frei. Ich drehe mich um und sehe ein Fahrrad auf der Autobahn liegen. Erster Gedanke: Scheisse, wir haben jemanden überfahren. Doch irgendwann wird mir bewusst, dass da ja ein Pino auf der Fahrbahn liegt. Unser Pino. In dem Moment ist für mich unsere Fahrradreise zu Ende. Keine Chance, dass das Fahrrad einen Abflug vom Auto bei 130 kmh überstanden hat. Kevin stoppt das Auto und Alena und ich springen aus dem Wagen und rennen winkend auf der Autobahn zurück, um die nachkommenden Autofahrer zu warnen. Wie durch ein Wunder wird das Pino von keinem Auto überrollt. Wir ziehen es von der Fahrbahn und begutachten den Schaden. Ausser ein paar Kratzern und einem gebrochenen Gepäckträger scheint es keinen Schaden genommen zu haben. Erst jetzt realisieren wir, was für ein riesiges Glück wir hatten. Unvorstellbar was passiert wäre, wenn das Velo einem Auto direkt hinter uns durch die Windschutzscheibe geflogen wäre.​

Über die Freunde von Kevin und Cindy kommen wir mit Chris in Kontakt. Chris ist ein kreativer Kopf und Besitzer des tollen Adventureparks All out Adventures, den er eigenhändig gebaut hat. Er hat sofort eine Idee, wie er den gebrochenen Gepäckträger reparieren kann. Den ganzen Sonntagnachmittag bohrt und hämmert er zusammen mit zwei Mitarbeitern an unserem Pino - und das, obwohl er nur drei Tage zuvor an der Bandscheibe operiert wurde. Als Dank müssen wir am Montag bei Filmaufnahmen für die Region Drakensberg Modell stehen. So komme ich noch in den Genuss einer kleinen Biketour, eines Freifalls von der King Swing und sogar einer kleinen Übung am Trapez. Chris, vielen herzlichen Dank für deine unglaubliche Hilfe! Keine Ahnung, was wir ohne dich gemacht hätten.​

Als wir bereits zwei Tage nach dem Sturz wieder unterwegs sind, knallt es in regelmässigen Abständen. Zuerst von oben. Kurz vor Clarens zieht sich der Himmel immer mehr zu. Pechschwarze Wolken hängen bedrohlich über uns. Wir versuchen, so schnell wie möglich in die Stadt zu kommen, da es weit und breit keinen Unterstand gibt und wir neben vereinzelten Bäumen die einzige Erhöhung sind. Doch ein Knall reisst uns vom Rad. Nur wenige Meter neben uns schlägt ein erster Blitz ein. Wir können sogar die elektrische Spannung hören! Wir springen vom Rad, rennen 10 Meter in unterschiedliche Richtungen und kauern uns nieder. Während rund 30 Minuten verharren wir so und warten ab, bis das Gewitter weiterzieht.​

Danach knallt es beinahe täglich vom Hinterrad. Die Felge, welche uns in Pietermaritzburg neu eingespeicht wurde, ist zwar eine geeignete Felge fürs Mountainbiken, doch leider nicht für ein voll beladenes Tourenrad. Deshalb bricht eine Speiche nach der anderen. Also wenn mal jemand eine gebrochene Speiche auswechseln muss, kommt doch einfach zu uns. Wir sind nach der Zeit in Südafrika definitiv Experten im Speichen wechseln.​

​Auch die Frage, ob wir genügend Gänge haben, ist nun beantwortet. Wir schafften es mit Ach und Krach über die Berge von Südafrika und Lesotho. Es war aber ein extremer Murks. Auf den Tag genau schaffen wir es nach Kapstadt, wo wir Alena’s Eltern in Empfang nahmen. Sie brachten uns ein neues Hinterrad sowie eine fürs Pino passende Kurbelgarnitur mit. Damit sollten die Speichenprobleme definitiv der Vergangenheit angehören und die Berge wieder etwas leichter zu erklimmen sein.

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