Laos

18.11. - 22.12.2013

Statistik Laos

  1. 34 Tage im Land
  2. 34 Nächte in Hotel
  3. Keine Nächte bei Privat
  4. Keine Nächte im Zelt
  5. 21 Tage im Sattel
  6. 1672 km / 11313 hm
  7. 6 Pannen

Die tägliche Gefahr

​Stellt euch vor ihr müsstet auf dem Weg zur Schule, auf dem Weg zum Markt, zu Besuchen, während der Arbeit - ja eigentlich fast jederzeit - damit rechnen, von einer Landmine in die Luft gejagt zu werden. Für viele Laoten ist dies keine Szene aus einem Horrorfilm, sondern es ist eine reale Gefahr, mit der sie jeden Tag leben müssen.

Laos ist in der Weltgeschichte das am meist bombardierte Land pro Kopf. Während dem Vietnamkrieg zwischen 1964 und 1973 haben die USA in geheimen Angriffen ungefähr 2 Millionen Tonnen Bomben über diesem Land abgeworfen - mehr als im gesamten Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Japan zusammen. Insgesamt wurden über 580’000 Artillerieeinsätze geflogen: ein Einsatz alle 8 Minuten, 24 Stunden lang, über 9 Jahre hinweg. Und das, obwohl Laos nie mit einem anderen Land im Krieg stand. Die USA hatten es unter anderem auf das Wegenetz abgesehen, welches die Vietnamesen durch laotisches Gebiet gebaut haben, um den Süden Vietnams mit Waffen zu versorgen: den Ho Chi Minh Pfad. Allein die Schäden an der Zivilbevölkerung während dieser Zeit sind nicht zu fassen. Aber die Auswirkungen auf das Leben der Laoten noch 40 Jahre danach sind absolut haarsträubend.

Die Organisation UXO LAO beschäftigt über 1’000 Leute und entfernt jährlich 65’500 sogenannte Bombies, die in Streubomben enthalten sind. Streubomben werden aus dem Flugzeug abgeworfen, öffnen sich im Fall und geben Hunderte kleine Bomben frei. Die rund 680 Bombies, die ein solcher Kanister enthält, decken eine Fläche von zwei bis drei Fussballfeldern ab. Andere Typen, die über Laos abgeworfen wurden, enthielten bis zu 4’800 Stück. Eine einzelne Kugel in der Grösse einer Faust hat eine Reichweite von 30 Metern. Wer sich per Zufall in diesem Gebiet aufhielt, hatte praktisch keine Chance. Und noch heute kommt fast täglich ein neues Opfer dazu. Von den 260 Millionen Bombies sind 30% nicht explodiert, ca. 80 Mio. liegen noch in Laos verstreut und verseuchen grosse Teile des Landes. 15 der 17 Provinzen sind noch immer stark kontaminiert, 25% der Dörfer noch nicht gesäubert. Jährlich werden noch immer 300 Menschen getötet oder verstümmelt. Laut Hochrechnungen wird es noch mindestens 100 Jahre dauern, bis das Land von diesen Streubomben befreit ist.

Karte: basierend auf United States Air Force (USAF) bombing data. Jeder rote Punkt repräsentiert ein Artillerieeinsatz. Alle zusätzlichen Angriffe anderer Truppen oder das Resultat von Bodenkämpfen ist darin nicht enthalten.

Die Auswirkungen sind auch für die wirtschaftliche Entwicklung des ganzen Landes enorm. Die am stärksten bombardierten Gebiete sind die ärmsten des ganzen Landes (41 von den 46 ärmsten Distrikten). Und sie werden es noch lange bleiben, da nur langsam neue Flächen für die Landwirtschaft genutzt werden können. Während der Regenzeit können in bereits gesäuberten Abschnitten jederzeit tief versteckte Bomben an die Oberfläche getragen werden. Die Gefahr lauert also auch im eigenen Reisfeld, auf der Lehmstrasse oder auf dem Schulhof. Der Ausbau von Infrastruktur wie Strassen oder Telekommunikation wird erschwert oder ist nicht möglich. Zusätzlich sind noch heute grosse Flächen Land und Wasser durch Entlaubungsmittel wie z.B. Agent Orange verseucht. Noch immer werden Kinder mit Missbildungen geboren.

Neben der emotionalen Belastung bedeutet der Verlust oder die Verstümmelung eines Familienmitgliedes eine riesige finanzielle Bürde. Arbeiten müssen von der Familie übernommen werden, was das ohnehin tiefe Einkommen noch verringert. Der jährliche Ertrag eines Bauern beträgt ungefähr 300 US Dollars. So erstaunt es nicht, dass sich viele Familien für 12 US Dollars auf dem Markt einen Metalldetektor kaufen, um damit auf die Suche nach Wertmetall zu gehen. Viele der Blindgänger (UXO) sind aus Qualitätsstahl hergestellt oder enthalten Kupfer - ein gefragtes Material in und um Laos. In Touristengebieten werden die UXO auch in Hotels und Shops ausgestellt. Das alles treibt den Marktwert in die Höhe und der Anreiz, zum schnellen Geld zu kommen, ist oft grösser als der nötige Respekt vor dem Tod oder der Verstümmelung. Ein Stück weit verständlich, wenn man bedenkt, dass ein Bauer mit einer Bombe von 300 Kilogramm auf einen Schlag bis zu 200 US Dollars einnimmt. So nehmen die Menschen in äusserster Armut grosse Risiken in Kauf, um genügend Lebensmittel für die Familie kaufen zu können. Auch wenn er offiziell verboten ist, boomt der Schrotthandel in Laos, und die meisten Unfälle mit Blindgängern passieren bei solchen Aktionen. Besonders tragisch ist auch, dass viele Bomben wie Spielzeug aussehen und Kinder sie als solches missdeuten.

Aus diesem Grund beinhaltet die Arbeit der UXO LAO nicht nur die Säuberung, sondern auch die Aufklärung der Leute in den Schulen und Dörfern. Eine weitere Aufgabe besteht in der Herstellung von massgeschneiderten Prothesen und in der Rehabilitation von Überlebenden im Center of Medical Rehabilitation in Vientiane.

Alle Informationen stammen aus dem UXO Laos Visitor Center in Luang Prabang und dem COPE Visitor Centre (sehr informative Webseite!) in Vientiane. In unseren Augen ist der Besuch dieser Zentren ein absolutes Muss für jeden Laosreisenden. Sie sind sehr schön gestaltet und bieten einen umfassenden Einblick in die tragische Vergangenheit dieses friedlichen Landes. Spenden werden dringend benötigt und können auch online getätigt werden.

Wir legen euch ausserdem ans Herz, euch 50 Minuten Zeit zu nehmen und den erschütternden ARTE Dokumentarfilm Amerikas geheimer Krieg zu schauen. Danke Yvonne & Christian (furt.ch) für die Empfehlung!

Kommentar hinterlassen