Südafrika

14.2. - 12.5.2015

Statistik Südafrika

  1. 96 Tage im Land
  2. 20 Nächte in Hotel
  3. 19 Nächte bei Privat
  4. 49 Nächte im Zelt
  5. 59 Tage im Sattel
  6. 3994 km / 35269 hm
  7. 15 Pannen

Ein Leben im goldenen Käfig

​Fast 3 Monate haben wir in Südafrika verbracht. Ein Land, welches uns begeistert hat. Eines, welches uns mit seiner Vielfalt und seiner Gastfreundschaft überraschte. Aber auch ein Land, welches uns zum Nachdenken angeregt hat. In keinem Land waren die Gegensätze zwischen Arm und Reich, zwischen Schwarz und Weiss so gross. In wenigen Ländern war der Unterschied zwischen Moderne und Rückstand so offensichtlich.

​Ein Highlight in Südafrika war sicherlich die Landschaft. Vermissten wir in Tansania, Sambia oder Malawi schöne, abwechslungsreiche Landschaften, so wurden wir hier in Südafrika damit überhäuft. Beinahe jeder Tag bot ein Highlight. Hinzu kamen die unzähligen Nationalparks mit einer fantastischen Tierwelt. Was das Land aber wirklich unvergesslich machte, das waren die Menschen. In keinem Land auf der bisherigen Reise haben wir solche Reaktionen auf unser Abenteuer erhalten. Das lag sicher auch daran, dass wir uns in vielen anderen Ländern ausserhalb Afrikas nicht verständigen konnten. Erst in Südafrika wurde uns so richtig bewusst, auf was für einer unglaublichen Reise wir uns eigentlich befinden. Oft stoppten uns Autos und wir mussten unsere Geschichte erzählen. Dies löste jedes Mal ungläubiges Staunen und Bewunderung aus. Viele Südafrikaner sind extrem sportlich. Es gibt zahlreiche Langdistanz Lauf- und Mountainbikerennnen, aber eine Reise mit dem Fahrrad können sich nur die wenigsten vorstellen. Eine sehr bekannte Person in Südafrika ist Riaan Manser, welcher vor 10 Jahren mit dem Fahrrad rund um Afrika fuhr. Praktisch jeder Südafrikaner kennt sein Buch Around Africa on my bicycle und wir wurden oft auf ihn angesprochen und mit ihm verglichen. Vielfach führten solche Begegnungen zu Einladungen zum Übernachten, welche wir meist dankend annahmen. Einmal kam es so weit, dass wir während beinahe einer Woche von einer Familie zur nächsten gereicht wurden. Wirklich eine unbeschreibliche Gastfreundschaft.

Es kam auch vor, dass uns auf der Strasse einfach Geld geschenkt wurde. Die Leute stoppten, unterhielten sich kurz mit uns und drückten uns einfach Geld in die Hand und meinten, wir sollen uns damit etwas zu trinken kaufen. Wir standen jeweils wie versteinert da und wussten nicht wie reagieren.​

Die Einladungen brachten uns aber auch Einblicke in ein Leben, welches für uns nur schwer vorstellbar ist. Viele Personen leben für unser Empfinden in einem goldenen Käfig. Die Häuser unserer Gastgeber waren topmodern und sehr schön, aber um die meisten führte ein elektrischer Hochsicherheitszaun. Südafrika ist ein Land mit einer enorm hohen Kriminalitätsrate und viele Südafrikaner leben in ständiger Angst. So war oft eine der ersten Fragen, ob wir noch nie beklaut worden sind. Wenn wir dies jeweils verneinten, ernteten wir ungläubige Blicke. Einmal waren wir auf einer Farm eingeladen und die Besitzer erzählten uns, dass sie erst seit 2 Jahren hier wohnen. Davor besassen sie weiter nördlich eine Farm, welche sie aber verkauften, da sie Morddrohungen erhielten und sich in der Gegend nicht mehr sicher fühlten. Vielerorts passiert es, dass die Nachkommen der Urbevölkerung Land von den weissen Farmern zurückfordern. Wenn auf diese Forderungen nicht eingegangen wird, kommt es oft zur Ermordung der Farmer.​

​Die wohl bewegendste Geschichte erlebten wir in Montagu. Bei der Einfahrt in das wunderschöne Örtchen wurden wir von Paul beobachtet. Paul war ein sehr erfolgreicher Architekt, welcher unter anderem den Flughafen von Durban geplant hat. Zusammen mit seiner Frau Caroline lebt er in der Nähe von Johannesburg. Eines Abends, vor mittlerweile etwas mehr als zwei Jahren, als er von einer Sitzung nach Hause kam, überraschte er 3 Einbrecher in seinem Haus. Ohne Vorwarnung wurde er daraufhin niedergeschossen. Er überlebte mit viel Glück, aber ein Grossteil seines Gehirns wurde zerstört und er ist noch immer halbseitig gelähmt. Paul war vor dem Überfall ein begeisterter Velofahrer und ist seit längerem auf der Suche nach einem geeignetem Fahrrad für ihn. Unter anderem hatte er auch schon die Räder der Firma Hase angeschaut und erkannte das Pino sofort, als wir in Montagu einfuhren. Zusammen mit Caroline machte er sich auf die Suche nach uns und fand uns auf dem Zeltplatz. Sie luden uns zu sich in ihr neu erworbenes Haus ein und wir verbrachten eine schöne, emotionale Zeit mit den beiden.

​Wenn man die Gegensätze in Südafrika sieht, dann überrascht es einem nicht, dass die Kriminalitätsrate extrem hoch ist. Fährt man in eine Stadt rein, dann führt die Strasse vorbei an Townships. Die Häuser sind meist nicht viel mehr als einfache Bretterverschläge. In der Stadt stehen dann die schönen Wohnhäuser gesichert durch einen Elektrozaun. Dies machte auch das Reisen für uns etwas komplizierter. Wir planten unsere Etappen so, dass wir am Abend jeweils in einem Ort waren, wo es einen Zeltplatz oder eine günstige Unterkunft gab. Auf Grund der hohen Kriminalität war es uns zu riskant, unser Zelt einfach irgendwo aufzustellen. Dies gelang uns meistens. Einzig in Mkhuze fanden wir keine geeignete Unterkunft. Das einzige Hotel in der Stadt war um ein Vielfaches über unserem Budget. So fragten wir bei der Polizeistation, ob wir unser Zelt aufschlagen können. Doch die wollten uns nicht und schickten uns zur Tankstelle gegenüber. Dort erhielten wir die Erlaubnis, unser Zelt auf dem Kinderspielplatz des Fastfood-Restaurants Wimpy aufzustellen. Wohl einer der speziellsten Zeltplätze der bisherigen Reise.

Viele Menschen äusserten auch ihren Unmut gegenüber der jetzigen Regierung. Es werde oft nur in die eigene Tasche gearbeitet und die Infrastruktur des Landes leide extrem unter der Misswirtschaft. Um dies genau zu beurteilen fehlte uns natürlich die Zeit, aber einiges deutete daraufhin, dass Momentan nicht alles in die richtige Richtung läuft. So kam es doch sehr oft vor, dass einfach mal der Strom für ein paar Stunden abgestellt wurde. Nein, nicht auf Grund eines technischen Problemes, sondern der Strom wurde bewusst abgestellt, da nicht genügend produziert werden kann. Und dies in einem Land, welches prädestiniert ist für Sonnen- oder Windenergie.​

So blieb schonmal unser Essen für ein paar Stunden ungewärmt auf der Herdplatte stehen oder wir tappten beim Einkaufen im Einkaufszentrum im Dunkeln. Für uns war dies ein relativ kleiner Einschnitt, aber für die lokale Bevölkerung und vor allem auch für Unternehmen ist dies ein riesiges Problem. Wenn ein Restaurant damit werben muss, dass es einen Generator besitzt und dadurch Speisen auch während eines Stromausfalls servieren kann, dann stimmt definitiv etwas nicht mehr. Das Verkaufsargument für ein Restaurant sollte immer noch die Qualität des Essens sein und nicht ein Generator.​

​Oft fanden wir auch heruntergekommen Zeltplätze vor. Diese gehören der Gemeinde, welche schlicht kein Geld für den Unterhalt der eigentlich sehr schönen Zeltplätze hat.

Wir hoffen sehr, dass Südafrika diese Probleme in den Griff bekommt. Das Land bietet extrem viel und wir haben das Reisen hier sehr genossen. Es bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung nicht in die gleiche Richtung geht wie vor einigen Jahren im Nachbarland Simbabwe. ​

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