Uganda

8.8. - 21.9.2014

Statistik Uganda

  1. 45 Tage im Land
  2. 19 Nächte in Hotel
  3. Keine Nächte bei Privat
  4. 26 Nächte im Zelt
  5. 16 Tage im Sattel
  6. 886 km / 10436 hm
  7. Keine Pannen

Ein Wald voller Affen

Ohrenbetäubender Lärm durchdringt den Regenwald im Kibale Nationalpark. Dieser beheimatet nebst ca 300 Elefanten auch 13 Affensorten. Ungläubig schauen Alena und ich uns an. Wir sind vor Kurzem losgezogen um eine Gruppe Schimpansen zu beobachten, welche sich hier im Wald aufhält. Und schon nach kurzer Zeit machen diese sich lautstark bemerkbar. Doch zu Gesicht bekommen wir sie vorerst nicht. Dafür entdecken wir die Haut einer Schlange. Unser Guide meint sie gehöre zu einer Kobra und fügt mit einem ängstlichen Gesicht hinzu: „Einer riesigen Kobra!!“. Nach einiger Zeit erspäht unser Guide die ersten Schimpansen. Diese halten sich aber in selbst gebauten Nestern weit oben in den Bäumen auf und sind für uns nur sehr schwer zu erkennen. Wir befürchten bereits, dass wir hier eine Fehlinvestition getätigt haben. Wir dürfen nämlich nur eine Stunde mit den Tieren verbringen, um sie nicht in ihrem täglichen Ablauf zu stören. Wenn sie sich so weit oben in den Bäumen aufhalten und wir nichts sehen, dann wird diese Stunde eher zu einer langweiligen Angelegenheit. Nackenstarre inklusive. Doch die Tiere haben ein Einsehen und steigen nach einiger Zeit von den Bäumen runter und präsentieren sich uns in voller Pracht. Unser Guide meint noch, dass wir nun schnell sein müssen und tatsächlich bewegen sich die Tiere elegant und leichtfüssig durch den Wald. Hinterher eine Touristengruppe bewaffnet mit Fotoapparaten. Ein Schimpanse stoppt immer wieder und schaut zurück. Es kommt uns so vor, als ob er auf uns wartet. Nach einiger Zeit setzen sich die Schimpansen hin und innert Sekunden sind sie von Touristen umzingelt. Es ist sehr beeindruckend die Bewegungen und Gesten zu beobachten. Of kommt es einem vor man stehe einem Menschen gegenüber. Dies ist nicht verwunderlich, teilen die Schimpansen doch ca. 99 % des genetischen Erbgutes mit dem Menschen. Nur dass sie trotz viel kleinerer Grösse ca. 5 Mal stärker als der Mensch sind. Ich frage mich die ganze Zeit, was die Schimpansen wohl von der Menschenmasse denken, welche sie mit Fotoapparaten umzingelt. Trotzdem nutzen auch wir die Zeit um möglichst viele gute Bilder der Tiere zu kriegen. Wann sonst hat man schon die Chance, so nahe und ohne Gitter einem Schimpansen gegenüberzustehen?​

​Auf dem Weg zum nächsten Affenhighlight überqueren wir im Queen Elizabeth Nationalpark noch den Äquator. Genau in dem Moment, als wir das Äquator-Monument erblicken, kreuzt eine Gruppe von ca. 20 Elefanten die Hauptstrasse. Ein besseres Timing hätten wir nicht haben können.

In Kisoro besuchen wir den Mgahinga Gorilla Nationalpark. Dieser bildet zusammen mit dem Parc National des Volcans in Ruanda und dem Parc National des Virungas in der Demokratischen Republik Kongo eine riesige geschützte Fläche, welche die Heimat von ca. 480 Berggorillas ist. Einige dieser Berggorillas leben in Gruppen, welche sich an Besuche von Touristen gewöhnt sind. Das Gorillatrekking ist eine enorme Einnahmequelle für Uganda und Ruanda. Ein Permit, welches ein Besuch bei den Tieren für eine Stunde erlaubt, kostet 600 USD in Uganda, beziehungsweise 750 USD in Ruanda. Ein enormer Betrag, welcher bei uns dem Budget eines ganzen Reisemonates entspricht. Dennoch entschliessen wir uns, den Tieren einen Besuch abzustatten, ist es doch schon seit 10 Jahren ein Traum von Alena. Die Permits sind oft auf Monate hinaus ausgebucht. Da die Gorillagruppe im Mgahinga Gorilla Nationalpark aber oft den Weg über die Grenze nach Ruanda nimmt, können hier die Permits nur gerade 2 Wochen vor dem Besuch gebucht werden. Dies macht die Gruppe für Reisende, welche auf einer gebuchten Tour unterwegs sind, nicht interessant. Für uns als Individualreisende ist dies aber perfekt und wir kriegen problemlos kurzfristig ein Permit. Als wir uns am Tag vor dem Trekking beim Nationalparkbüro melden, staunen wir aber nicht schlecht. Die Mitarbeiterin teilt uns mit, dass wir für den nächsten Tag bis jetzt die einzigen Touristen seien, welche ein Trekking unternehmen wollen. Wir können unser Glück kaum fassen. Und tatsächlich stehen wir am nächsten Morgen alleine beim Ausgangspunkt im Nationalpark. Vier Mitarbeiter des Parks sind früh am Morgen losgezogen, um die Gorillas im Wald zu finden und uns und unsere Guides an die richtig Stelle zu lotsen. Nach einem Marsch von ca. einer Stunde ist es so weit. Zur Begrüssung wird unser Guide gleich einmal mit einer Scheinattacke des ältesten Silberrückens eingedeckt. Dieser ist bereits 53 Jahre alt und sieht nicht mehr ganz so gut. Deshalb kommt es ab und an zu solchen Angriffen. Uns läuft es kalt den Rücken runter. Die Guides führen uns an einen Platz, von welchem aus wir die ganze Gruppe beobachten können. Diese besteht aus 10 Tieren: 5 Silberrücken, welche ein Gewicht von bis zu 220 Kilogram erreichen können, 2 Weibchen, 2 Jugendliche und ein 1.5 jähriges Junges. Wir stehen gerade mal 1.5 Meter neben dem Anführer der Gruppe, dem dominanten Silberrücken. Unsere Begleiter imitieren seine Laute und der Silberrücken schaut immer wieder zu uns rüber. Er blickt uns direkt in die Augen, ein unbeschreibliches Gefühl. Direkt vor uns spielen die beiden Jugendlichen mit dem Jungen. Etwas weiter im Gebüsch liegt die Mutter des Jungtieres und gönnt sich ein Nickerchen. Plötzlich erblicken wir die weiteren Silberrücken und der Anblick dieser riesigen Tiere im Wald fährt ziemlich in die Knochen. Es ist unvorstellbar, wie gross sie sind. Spannend wird es auch, als einer der Silberrücken einen Sitzplatz in der Lichtung einnehmen will. Dies passt dem dominanten Silberrücken nicht und er geht auf Angriff gegenüber dem schwächeren Mitglied der Gruppe. Hier sieht man die ganze Kraft, welche in den Tieren steckt, sind sie doch ca. 8 Mal stärker als der Mensch. Es bleibt aber bei Drohgebärden und die Situation beruhigt sich schnell wieder. Kurz bevor wir uns nach einer Stunde von der Gruppe verabschieden müssen, stehen die Gorillas auf und machen sich auf den Weg in den Wald. Als ob sie uns sagen wollen: Ihr hattet eure Stunde mit uns, wir gehen nun. ​

​Der Besuch war für uns eines der eindrücklichsten Erlebnisse der bisherigen Reise und den hohen Preis definitiv wert. Die Begegnung mit den Berggorillas wird uns sicherlich für immer in Erinnerung bleiben. Berggorillas können übrigens nirgends in Zoos besucht werden. Es gab Versuche sie in Gefangenschaft zu halten, doch kein Tier überlebte dies. In Tierparks sind nur Flachland Gorillas zu sehen. Diese sind kleiner und haben kürzere Haare als Berggorillas. Berühmtheit erhielten die Berggorillas durch den Film “Gorillas im Nebel” welcher das Leben von der Gorillaforscherin Dian Fossey dokumentiert.

Im Mgahinga Gorilla Nationalpark gibt es noch zahlreiche weiter Affenarten. So auch die sehr seltenen Goldmeerkatzen. Diese besuchen wir ebenfalls. Im Gegensatz zu den eher trägen Schimpansen und Gorillas sind diese sehr verspielt und springen von Baum zu Baum. Ihr Fell leuchtet golden durch die Baumwipfel und mit ihren dicken Backen bringen sie uns immer wieder zum Lachen. ​

​Die Besuche bei den verschiedenen Affen waren für uns äusserst eindrücklich. Ich fragte mich aber oft, was die Tiere wohl davon halten und ob dies eine gute Sache ist. Es gibt wie so oft zwei Seiten. Auf der einen besteht die Gefahr, dass sich die Tiere durch die Besuche der Touristen mit Krankheiten anstecken. Die sehr nahe genetische Verwandtschaft führt dazu, dass Krankheiten einfach übertragen werden können. Zudem wurden vor allem in der Vergangenheit Tiere von an Menschen gewöhnten Gruppen oft Opfer von Wilderern. Dies ist aber in jüngster Zeit ein eher kleineres Problem, da die Nationalparks mittlerweile sehr gut geschützt sind.

Auf der anderen Seite lassen sich die Tiere durch den Kontakt mit Menschen besser beobachten und Krankheiten können früher erkannt werden. Auch ist es für Wissenschaftler einfacher, die Tiere zu studieren und so zu schützen. Weiter profitieren die Länder Uganda und Ruanda vom Gorillatourismus enorm. Touristen kommen hierher, um die Gorillas zu sehen und verbinden den Besuch mit einem längeren Aufenthalt im Land. Dies führt zu mehr Arbeitsplätzen und einem gesteigerten Wohlstand für viele. Fraglich ist auch, ob es die Berggorillas ohne die Gorillatrekkings überhaupt noch geben würde. Die Chance ist gross, dass sie ohne den zusätzlichen Schutz längst ausgestorben wären. Auf jeden Fall stieg die Anzahl der Gorillas in den letzten 25 Jahren um 56%. Aber noch immer ist ihre Existenz bedroht. Im Moment gibt es auf 9 Millionen Menschen gerade einmal einen Berggorilla.

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