Iran

15.5. - 13.6.2013

Statistik Iran

  1. 29 Tage im Land
  2. 20 Nächte in Hotel
  3. 4 Nächte bei Privat
  4. 5 Nächte im Zelt
  5. 14 Tage im Sattel
  6. 1219 km / 6114 hm
  7. Eine Pannen

Falschbild

“Hello Mister, welcome to Iran! What is your country?”
“Hello! We’re from Switzerland.”
“Suiserlend?”
“Swiss”
“Suiss?”
“Suiiss”
“Aaah, Suuiiiss!”

Sehr häufig werden wir so begrüsst. Inzwischen haben wir das “Suuiiiss” so drauf, dass die meisten sofort kapieren woher wir kommen. Alle schwärmen von der Schweiz, von den Schweizern. Viele kennen Heidi und wissen, dass es bei uns kalt ist, 4 Sprachen gesprochen werden und dass von da die guten Uhren kommen. Es sei ein gutes Land mit freundlichen und ruhigen Leuten. Aber auch: es gäbe keine Gewalt, keine Polizei, keine Gefängnisse. Dies ist fast so verkehrt wie das Bild, das die meisten von den Iranern haben. Wir werden immer wieder gefragt, was die Leute zu Hause über den Iran denken. Unsere ehrliche Antwort überrascht nie, sie kenne sie längst. Manchmal fragen sie nach dem Warum. Die Iraner seien doch so freundlich, sie seien keine Terroristen. Vielen liegt es am Herzen, dass wir dies zu Hause erzählen. Die Situation im Land belastet alle, die mit uns ein Gespräch anfangen. Wenn sie sich unbeobachtet fühlen sprechen sie praktisch immer das Thema Regierung an und kritisieren sie. “Wir leben in einem Käfig”, erzählt uns ein Student.

Wir haben schon viele Länder bereist, aber noch nie haben wir solche Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfahren. Es ist schlicht überwältigend. Wir können hier unmöglich von allen Einladungen, schönen Gesten und spontanen Begegnungen erzählen. Von ein paar besonders schönen aber schon:

Gleich nach dem Grenzübertritt werden wir von Nader zum übernachten eingeladen. Er lebt mit seiner Familie in einem einfachen Haus. Die Kinder sind zuerst zurückhaltend, mit der Zeit jedoch völlig überdreht. Als ich mit den Frauen allein bin ziehen sie mir das Kopftuch aus - sie wollen sehen, ob ich tatsächlich kurze Haare habe. Geschlafen wird traditionell nach Geschlechtern getrennt: die zwei ältesten Kinder und ich schlafen in der Stube, die Frauen mit den kleinen Kindern in dem einen Zimmer, Marcel und die anderen 9 Männer in einem anderen.

In Tabriz treffen wir auf Milon, einen Weltreisenden aus Tschechien. Vor Kurzem hat er in Tbilis Manu & Jonathan getroffen, die beiden Österreicher, mit denen wir etwa 3 Wochen im Balkan unterwegs waren. Die Welt ist klein! In einem Qalyan (Shisha) Café werden wir von Behzat für den nächsten Tag zum Essen eingeladen. Zum Mittagessen Omelette mit Tomaten und am Abend Köfte Tabrizi - ein riesiger Fleischball mit vielen Kräutern und Gewürzen. Absolut fantastisch! Die Zubereitung der Köfte dauert 1 bis 2 Stunden und die Familie gönnt sich diese Speise nur zweimal im Monat. Dazwischen und danach zeigt uns Behzat seine Stadt, am Abend zusammen mit seinem besten Freund.

Am nächsten Tag fahren wir weiter Richtung Süden. Zuerst müssen wir jedoch ein Fahrradgeschäft suchen, da das Kabel vom Fahrradcomputer gerissen ist und wir es selber nicht reparieren konnten (ja, wir sind nun mal zwei Bürogummis). Ein Mann zeigt uns den Laden und lädt uns gleich zu sich zum übernachten ein. Vor 5 Jahren habe ein Paar mit genau dem gleichen Tandem 4 Tage bei ihm gewohnt. Wir glauben’s kaum: Mandy und Benny, die zwei von globecyclers.de. Vor dem Kaufentscheid des Pinos haben wir ihre Webseite viele Male besucht und ihre Weltreise hat uns in unserem Plan P bestärkt. Der Laden ist geschlossen, so bringt uns Mehran zum Elektriker. Während er sein Auto holt kommt ein junger Rennfahrer zu uns und fragt ob er uns helfen kann. Er düst wieder davon bevor wir richtig erklären können, dass uns der Mann bereits zum Geschäft um die Ecke bringt. Vor der Elektrikerbude versammelt sich eine ganze Männertraube, jeder will uns helfen. Als noch der Rennfahrer mit einem frisch gekauften Isolierband zurück kommt, schiessen mir die Tränen der Rührung in die Augen. Diese geballte Hilfbereitschaft überwältigt mich. Das Kabel ist schnell repariert und wasserdicht verschlossen. Geld wollen sie dafür auf keinen Fall, auch nach mehrmaligem insistieren nicht. Behzat schenkt uns das nicht benötigte Isolierband und begleitet uns auf seinem Fahrrad bis zum Stadtausgang.

Nach dem Mittagessen winken uns zwei Lastwagenfahrer herbei. “Hello Mister, ice cream?” Sie öffnen die Tür ihres Kühlwagens und strecken uns ein Magnum entgegen, auch eins für die “Missis”. Die zwei düsen davon und lassen uns überrascht und erfreut zurück.

Zwei Tage später hole ich Wasser im Fluss, während Marcel beim Fahrrad wartet. Schon von Weitem sehe ich, dass das typische Fladenbrot über seinem Arm hängt. Als ich dazu komme laden uns die beiden sympathischen jungen Männer zum übernachten ein. Ihr Dorf sei nur 3 Kilometer entfernt. Wir haben zwar auf der Strecke weit und breit kein Dorf gesehen, aber nehmen ihre Einladung dankend an. Wir wollten uns eben nach einem geeigneten Platz für unser Zelt umsehen. Aus 3 Kilometer werden 18. Wir sind müde, hungrig und müssen die weite Strecke wieder in die “falsche” Richtung gegen starken Wind fahren. Nach einer Tagesetappe von exakt 100 Kilometer erreichen wir das idyllische Dorf inmitten faszinierender Hügellandschaft. Kaum sind wir abgestiegen decken sie unser schmutziges Rad und das Gepäck mit schönen Tüchern zu. Sie geben Marcel ein frisches Hemd zum anziehen und schon sind sie mit seinem verschwitzten T-shirt verschwunden. Jeglicher Protest nützt nichts, das Shirt und die stinkenden Socken werden von Hand gewaschen. Der lustige Abend mit der ganzen Familie und dem Zeigewörterbuch, unserem Farsi-Büchlein und den Englischbüchern der Familie lässt uns die Erschöpfung schnell vergessen. Zum Abschied am nächsten Morgen schenken sie uns ein ausgiebiges Lunchpaket und ein Englisch/Farsi Büchlein mit persönlichen Widmung.

Am selben Vormittag werden wir von zwei hupenden Autos überholt. Eine johlende Grossfamilie steigt aus, und bevor wir absteigen können strecken sie uns einen Blumenstrauss und Brot entgegen, setzen mir ein Baby auf den Schoss und posieren für ein Gruppenfoto. Sie sind alle in bester Laune und schenken uns so eine unvergessliche und lustige Pause. Als wir kurz darauf unseren Mittagshalt einlegen taucht die Familie plötzlich wieder auf, packt ihre Picknicksachen und die Wasserpfeife aus und lädt uns zum Mittagessen ein. Sie fahren sogar extra in ein Dorf, um zusätzliches Brot und Yoghurt zu kaufen. Auch von ihnen erhalten wir eine Einladung zum übernachten. Wie schade, dass ihr Zuhause nicht auf unserer Strecke liegt.

Auch ohne Fahrrad werden wir von allen Seiten gegrüsst und angesprochen. Viele schenken uns auch einfach ihr Lachen, ein Winken, oder ein schlichtes “Thank you”. “Thank you for visiting Iran”.

Am Ufer des Zayandeh Flusses in Esfahan werden wir innerhalb kürzester Zeit zwei Mal von Familien zum Picknick eingeladen. Als ich bei der zweiten Einladung die Tochter nach der Uhrzeit frage, will sie mir sogleich die Uhr schenken. Der Vater reagiert gleich perplex wie wir. Sie lässt erst locker als wir ihr versichern, dass wir unsere Taschenuhr (namens Tacho) nur im Hotel vergessen haben.

Am Abend geniessen wir die wunderschöne Atmosphäre im Garten des Abbasi Hotels. Die Suppe kann ich jedoch weniger geniessen. Wie sehr habe ich mich auf die beliebte vegetarische Noodle Soup “Ash-e Reshte” des Teahouses gefreut. Das Schafsyoghurt obendrauf verdirbt mir den ganzen Appetit und ich würge so viele Bissen wie möglich hinunter. Hungrig ins Bett muss ich aber nicht: gerade als wir aufbrechen wollen kommt unser Tischnachbar zu uns und bringt ein Dessert namens Elefantenohren vorbei. “Ein Geschenk von Esfahan Leuten”.

Würde bei uns jemand auf der Strasse Fremde ansprechen und zu sich nach Hause zum Tee, zum Essen oder zum schlafen einladen? Kaum. Oder sie im Land willkommen heissen und einfach nur fragen, ob sie Hilfe benötigen?

Wie den Iranern liegt es auch uns am Herzen, dass die Meinung, die viele von ihnen haben, korrigiert wird. Deshalb unsere Bitte: streicht das Bild aus dem Kopf, das ihr aufgrund der Medien von den Menschen in diesem Land habt. Noch besser: Reist hierher und macht euch euer eigenes.

Kommentare

Yvonne 08. Juni 2013, um 15:29 Uhr

Liebi Alena, ich ha gar nit gwüsst, dass du so wunderbar guet schribe chasch! es isch immer widr e freud, euri Erläbnis zläse. Wünsch euch witerhin so e tolli Reis mit so warmherzige Mensche um euch ume! GLG Yvonne

Julius 08. Juni 2013, um 23:26 Uhr

Doann schreib i mei Kommentar ma glei hi nunda!
Darf ich auch auf Hochdeutsch schreiben, oder wird’s dann zensiert?

Schön zu hören, dass es euch so gut geht und dass auch ihr so wunderbare Erfahrungen im Iran macht. Da wird man schon sehr neidisch und darin bestätigt, dass die eigene Reise das nächste Mal auch viel weiter gehen muss. Ich habe mein Fahrrad noch vor der großen Flut nach Berlin gerettet und habe mich später in den Flieger gesetzt um einen Abstecher in mein ganz persönliches Paradies (Kreta, ihr wisst schon…) zu machen. In wenigen Tage geht es dann wieder nach Frankreich (Prüfungen) und dann werde ich im Sommer mein treues Fahrrad von Berlin über Umwege nach Frankreich befördern.
Endlich lebt DER BLOG und ich werde ihn in nun wohl öfter besuchen.

Julius

P.S. Ihr solltet mal einen Tag versuchen Marcel vorn sitzen zu lassen. Was meint ihr wie viele Fotoanfragen ihr dann erst bekommt?!!

Claude und Andi Zuber 19. Juni 2013, um 15:42 Uhr

Hallo Alena und Marcel
Vielleicht erinnert ihr euch noch.Beginn Juni,Isfahan, vor dem Hotel Tothia.
Claude und ich ( Basel ) wir haben uns etwa 10 minuten ausgetauscht.
Wir hoffen es geht euch im heissen Iran, oder bereits weiter, gut und habt weiterhin
riesenfreude in eurer “Freiheit”.
Herzlichst   Andi Zuber

behzad 21. Juni 2013, um 21:55 Uhr

hi im behzad from tabriz-iran if u want put our photo in your website.thank u.and im really misssssssssssssssssssssssssssss u. a lot.

hallo ihr beiden, es freut uns mega, dass es euch gut geht, ihr solch tolle erfahrungen machen dürft und einen teil der welt mit eigenen augen sehen könnt. stimmen mit euch überein, dass iran eines der gastfreundlichsten länder ist. en liebe gruess us vals. margrit und pius

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