Turkmenistan

13.6. - 17.6.2013

Statistik Turkmenistan

  1. 4 Tage im Land
  2. 1 Nacht in Hotel
  3. 1 Nacht bei Privat
  4. 2 Nächte im Zelt
  5. 4 Tage im Sattel
  6. 377 km / 367 hm
  7. Keine Pannen

Goldenes Lächeln

Noch nie haben wir eine Grenze als so extrem erlebt. Wir können zum Teil kaum glauben was wir sehen, so unterschiedlich ist es vom Iran. Da fährt man ein paar Meter über eine auf dem Reissbrett gezogene Linie und befindet sich in einer komplett anderen Welt. Einen fliessenden Übergang gibt es nicht. Hatten die Iraner äusserlich noch gewisse Ähnlichkeiten mit den Türken, treffen wir plötzlich auf Gesichter mit asiatischen Zügen. An den wunderschönen Turkmeninnen können wir uns kaum satt sehen. Sie tragen buntgemusterte Stoffe und häufig kein Kopftuch. Kurze Röcke, figurbetonte Kleider und grosszügige Ausschnitte sind keine Seltenheit. Was für ein Kontrast zum Iran, wo sich die Frauen laut Gesetz in der Öffentlichkeit verhüllen müssen.

Die Gesichtszüge sind nicht das Einzige, was für uns typisch asiatisch ist. Der Tee ist grün statt schwarz, die Zähne golden statt weiss. Wir treffen auf alle möglichen Varianten: ein einzelner Zahn, das mittlere Drittel des Oberkiefers, der gesamte obere Bereich und - die Luxusvariante - das gesamte Gebiss. Wird man hier von einer Reihe glänzender Beisser geblendet, waren es im Iran die weissen Pflaster auf der Nase. Iranerinnen investieren ihr Erspartes lieber in das Abspitzen von Gesichtsknochen. Vielleicht könnte man diese Überreste verwerten um damit die Löcher in den turkmenischen Strassen zu füllen. Der Belag gleicht oftmals einem Giraffenmuster und für Marcel besteht die grösste Herausforderung darin, eine Linie mit verbundenen Teerstücken zu finden. Die Furchen in Fahrtrichtung sind teilweise so tief, dass wir mit den Vorderradtaschen anstossen. Vorbei sind die Schussfahrten auf feinstem, iranischem Asphalt. Die Reifen surren längst nicht mehr.

Zum ersten Mal auf dieser Reise kommen wir an Orten vorbei, an denen es kein fliessend Wasser gibt. Frauen holen es mühsam an Pumpstationen oder lassen den Kessel mitten im Restaurant ein Loch runter. Es wird uns bewusst, wie weit wir bereits gereist sind. Auch die Klos sind hier ganz anders als in den vorherigen Ländern. Ein Holzhäusschen mit oder ohne Tür, ein Loch in der Erde und links und rechts davon zwei längliche Holzblöcke für die Füsse. Einmal haben wir eine besonders schöne Variante gesehen: die Öffnung war mit dicken Gitterstäben gesichert. Das ist bestimmt sinnvoll, damit kein Kleinkind in die Gülle fallen kann. Aber auch andere Materien bleiben im freien Fall haften, was den Nachfolger gewollt oder nicht über die aktuelle Befindlichkeit des Magendarmtraktes informiert.

Das Einzige was uns im neuen Land vertraut bleibt ist die Herzlichkeit und die Gastfreundschaft der Menschen. Mit dem Unterschied, dass die Turkmenen einiges zurückhaltender sind als die Iraner. Zum Glück - sonst wäre es von Anfang an illusorisch, die Strecke in 5 Tagen per Rad zu schaffen.​

Kommentar hinterlassen