Iran

15.5. - 13.6.2013

Statistik Iran

  1. 29 Tage im Land
  2. 20 Nächte in Hotel
  3. 4 Nächte bei Privat
  4. 5 Nächte im Zelt
  5. 14 Tage im Sattel
  6. 1219 km / 6114 hm
  7. Eine Pannen

Kleine Welt

Als wir am Morgen die Köpfe aus unserem Zelt strecken stellen wir fest, dass wir nicht die Einzigen sind, die auf dem ehemaligen Partygelände des Shas ihr Nachtlager aufgebaut haben. Iraner lieben Camping und Picknick und stellen ihr Zelt häufig irgendwo in einem Park oder auch neben dem Auto auf einem Parkplatz auf. Es ist Freitag und somit ihr freier Tag. Am Vorabend waren wir von der langen Fahrt und dem Besuch der eindrücklichen Stätten Persepolis und Naqsh-e Rostam so müde, dass wir uns bereits vor 22 Uhr in unsere 4 Wände zurückgezogen haben. Viele Familien kamen erst um diese Zeit an und richteten sich für einen gemütlichen Abend ein. Die Wasserpfeife oder hier “Qalyan” genannt darf natürlich nicht fehlen.

Auf dem Weg nach Sa’adat Shahr hält uns ein Mann mit mehr Lücken als Zähnen an und bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Kurz darauf überholt er uns mit seinem Moped, reisst einen Stopp und hechted uns in den Weg. “Aks, aks!” Foto, Foto! Wir halten zum Foto- bzw. 360°-Filmstopp.

Am Mittag werden wir erneut angehalten. Ehzat steigt aus und wir sind uns aufgrund seiner Erscheinung für einen Moment nicht sicher, ob er ein Tourist oder ein Einheimischer ist. Er ist selbst Tourenfahrer und begutachtet unser Tandem ganz genau. Wir sollen doch zu ihm nach Hause kommen, seine Frau würde für uns kochen und wir können bei ihm schlafen. Wir möchten an diesem Tag jedoch noch das 20 Kilometer entfernte Pasargadae anschauen und lehnen dankend ab. Ehzat lässt nicht locker. Dann sollen wir wenigstens zum Mittagessen kommen, am Nachmittag würde er uns zusammen mit einem Freund nach Pasargadae begleiten. Seine Schwester wohne dort und wir können dort übernachten. Wir geben nach und hoffen, dass seine Wohnung tatsächlich nur 1km in der Richtung liegt, aus der wir eben gekommen sind. Diesmal stimmt die Angabe und wir werden kurz darauf von seiner Frau, ihrem Bruder und den beiden Kindern freudig empfangen.

Zum ersten Mal essen wir bei einer Einladung im Iran an einem Tisch mit Stühlen. Traditionellerweise essen die Perser auf dem Teppich. Es wird jeweils ein Plastiktischtuch auf den Boden gelegt, welches nach dem Essen rasch wieder verräumt ist. Für das Schlafen gilt das gleiche Prinzip. Am Morgen wird die Matraze zusammengefaltet und auf die Seite geräumt, so dass wieder ein grosser Raum entsteht. Zum Essen, zum Spielen, für alles mögliche. Eigentlich ganz praktisch - so hat man nie das Problem, dass man zu wenig Stühle hat oder der Tisch nicht weit genug ausgezogen werden kann. Unsere Beine haben sich noch nicht daran gewöhnt und schlafen regelmässig ein.

Ehzat erzählt, dass er im Winter in seiner Zweitwohnung in Shiraz zwei Schweizer Tourenfahrer beherbergt hat. Wir trauen unseren Ohren kaum. Vreni und Andi! Die beiden haben wir vor ca. 1.5 Jahren bei einem Veloplus Vortrag kennen gelernt und haben ihre Reise auf ihrem Blog ride2east.ch verfolgt. Sie haben Spenden für die “Aktion Ladakh” gesammelt und waren vor Kurzem im indischen Himalaya, um die Schulen vor Ort zu besuchen. Dort wurden sie von Marcels Schwester Karin empfangen, da sie gerade ein Volontariat in Nimoo absolviert.

Zwei Tage später stossen wir erneut auf die Spuren der beiden. In Surmaq werden wir vom “Touristenfänger” Sasan angehalten, als wir uns soeben nach einem schattigen Plätzchen für eine ausgedehnte Mittagspause umsehen wollten. Er entführt uns in seinen lauschigen Garten und verwöhnt uns mit einer köstlichen Omelette und frischen Früchten aus eigenem Anbau. Wir stöbern in seinen dicken Gästebüchern und entdecken den Eintrag von Vreni und Andi und von ein paar anderen Tourenfahrer, deren Reise wir virtuell verfolgt haben. Für uns besteht kein Zweifel mehr: die Welt ist klein!

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