Laos

18.11. - 22.12.2013

Statistik Laos

  1. 34 Tage im Land
  2. 34 Nächte in Hotel
  3. Keine Nächte bei Privat
  4. Keine Nächte im Zelt
  5. 21 Tage im Sattel
  6. 1672 km / 11313 hm
  7. 6 Pannen

Sabaidee Falang!

Von vielen Tourenfahrern haben wir gehört, wie wunderschön Laos zum Radfahren ist: wenig Verkehr, schöne Landschaft, herzliche Leute. Ich habe das Land vor fast 10 Jahren während einem Monat mit dem Rucksack bereist und war gespannt zu sehen, was sich in der Zwischenzeit verändert hat.​

Mit Freude stelle ich schon kurz nach der chinesischen Grenze fest, dass zumindest etwas kein bisschen anders ist: kaum haben wir die ersten Meter in Laos zurückgelegt, schallt uns schon von allen Seiten Sabaideeeee, Sabaideeeee! entgegen - Hallooooo, Hallooooo! Die Kinder rennen auf die Strasse, hüpfen vor Freude auf und ab und winken uns schon von Weitem wie wild zu und noch lange nach. Einige klatschen mit vollem Einsatz ab und rennen uns byebyeee schreiend hinterher. Auch von den Erwachsenen werden wir herzlich begrüsst. Es ist so überwältigend, dass wir den ganzen Tag mit einem breiten Lachen auf dem Gesicht fahren.

Die Fahrt durch die kleinen Dörfer im Norden des Landes ist nicht nur wegen der Menschen und der Karstlandschaft wunderschön und eindrucksvoll. Die Leute hier leben in einfachsten Hütten aus Bambus. Ein Badezimmer besitzen sie nicht, sondern waschen sich in aller Öffentlichkeit am Dorfbrunnen oder an einem Bach. Da wird uns einmal mehr bewusst, was für ein Luxus Privatsphäre ist. Was bei uns selbstverständlich ist kennt man hier nicht. Und trotz ihres einfachen Lebens scheinen sie viel glücklicher und fröhlicher zu sein als der Durchschnittsbürger im Westen. Ihr Lachen ist wunderbar ansteckend, nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen.

Nicht nur die Körperpflege, sondern das gesamte Leben findet im Freien statt. Hängebauchschweine, Enten, Hühner, Welpen, Wasserbüffel, Ziegen - alles spaziert auf der Strasse herum oder wird am Strassenrand auf den Kochtopf vorbereitet. An Sonntagen scheint Schweinebraten beliebt zu sein: in verschiedenen Dörfern wurden am Strassenrand Schweine auseinander genommen, die Köpfe zierten den Wegesrand. Erwachsene wie Kinder machen sich mit der Steinschleuder bewaffnet auf die Suche nach Essbarem. Es gibt nichts, was nicht in ihr Nahrungsschema passt: Vögel, Fledermäuse, Mäuse ohne Flügel, Ratten, Frösche, Wiesel. Die Liste liesse sich noch ewig weiter führen - was dies anbelangt können Laoten den Chinesen durchaus das Wasser reichen!

Ein typisch laotisches Haus steht auf Stelzen. Oben ist der Wohnbereich und der untere Teil bietet viel Platz für Maschinen, zum Spielen, zum Erholen und zum Arbeiten. So entstehen an diesen Orten bunte Stoffe an der eigenen Webmaschine, von Hand geknüpfte Fischernetze oder selbst geflochtene Tierfallen, Körbe, Spielzeuge und weitere alltägliche Gebrauchsgegenstände aus Bambus.

Je südlicher wir kommen desto häufiger sind die Häuser aus Beton gebaut. Wir sind auch positiv überrascht, an wie vielen Schulen wir vorbei fahren. Das ist immer ein besonders schöner Moment. Meistens ist die Wiese vor einem Schulhaus voller Kinder, die Fussball oder kataw spielen - das funktioniert ähnlich wie Volleyball, nur viel akrobatischer, da jeder Körperteil ausser die Arme benutzt werden dürfen, um den Rattanball über das Netz zu befördern. Wir wurden noch jedes Mal entdeckt. Falang, Falang! - Ausländer! Worauf Dutzende Kinder gleichzeitig Sabaidee rufen und wir unter einer Welle von Jauchzern an ihnen vorbei rollen. Unglaublich, was für eine geballte Ladung Lebensfreude uns in solchen Momenten entgegen schwappt. Das geht mitten ins Herz - irrsinnig schön.

Viele Kinder besitzen ein Fahrrad, was ihnen den teils langen Schulweg erleichtert. Ab und zu wurden wir von einer Schar Schulkinder auf dem Nachhauseweg begleitet. Die Gelegenheit haben sie immer genutzt, um an ihrem Englisch zu feilen. What is your name? Where do you come from? What do you like about Laos? How many people are there in your family? What do you eat for lunch? Es waren immer dieselben Fragen in der immer selben Reihenfolge, genau wie sie es in der Schule gepaukt haben. Wir freuen uns zu sehen, wie eifrig, wissbegierig und aufgeschlossen die Kinder hier sind.

Schulmaterial ist hierzulande aber Mangelware. Das haben wir von anderen Fahrradreisenden gehört, die einen Einblick in den Schulalltag gewinnen konnten. Ein lokales Entwicklungsprojekt, welches sich diesem Problem angenommen hat, heisst Big Brother Mouse. Sie publizieren Bücher in laotischer Sprache und bringen sie zu Leuten, die zuvor teilweise noch nie ein Buch in der Hand hatten. Yvonne & Christian von furt.ch haben kurz vor ihrem Eintreffen in Luang Prabang spontan eine Spendenaktion gestartet und durften so bei einer Book Party dabei sein. Dank den Spenden ihrer Leser kann nun ein neues Buch produziert werden. Wer sich dafür interessiert dem empfehlen wir, ihre Erfahrung auf ihrem Blog nachzulesen und die tollen Bilder anzuschauen. Sehr berührend!

Für uns waren es sehr intensive und lehrreiche Wochen in Laos und wir können das Radfahren in diesem Land nur empfehlen. Es hatte jedoch vor allem im Norden viel mehr Verkehr auf den Strassen als erwartet. Das ist aber kein Problem, da die Laoten sehr rücksichtsvoll, wenn teilweise auch etwas schnell fahren. Im Norden hat man mit vielen Höhenmetern zu kämpfen, dafür wird man mit grandiosen Aussichten auf die Karstberge belohnt. Im Süden kann man es wieder etwas gemütlicher angehen, da es abgesehen vom Bolaven Plateau mehr oder weniger topfeben ist. Der Preis dafür ist eine ziemlich monotone Landschaft zwischen Vientiane und Pakse. Zum Glück sind da die fröhlichen Laoten, die einen die Etappen versüssen.

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