Mongolei

1.5. - 15.7.2014

Statistik Mongolei

  1. 76 Tage im Land
  2. 41 Nächte in Hotel
  3. 3 Nächte bei Privat
  4. 31 Nächte im Zelt
  5. 45 Tage im Sattel
  6. 2447 km / 20854 hm
  7. 8 Pannen

Stürmischer Start

​Die Transsibirische Eisenbahn bringt uns von Peking in die Mongolei. Unser China Visum läuft aus, deshalb können wir die Strecke leider nicht radeln. Zudem erwarten wir in Ulan Bator Besuch von meinem Vater. Nachdem wir beinahe einen ganzen Morgen auf dem Bahnhof in Peking verbrachten und den Ort suchten, wo wir unser Velo verladen können, klappt dann doch noch alles problemlos. Als wir den Zug besteigen freuen wir uns schon: wir haben ein Viererabteil für uns alleine.

Der Grenzübertritt in die Mongolei geht beinahe von selbst. Die chinesischen Grenzbeamten sammeln die Pässe ein und wir rollen im Zug in eine Werkshalle. Hier geht es ihm an die Räder. Da die Schienen in der Mongolei schmaler sind, muss das gesamte Fahrwerk ausgewechselt werden. Zurück im Bahnhof ist es dann leider vorbei mit der Ruhe. Eine Horde chinesischer Bauarbeiter stürmt gegen Mitternacht den Wagen, gerade als wir es uns zum Schlafen bequem gemacht haben. Aus der Traum von einem Privatabteil in der TransSib.​

​In Ulan Bator werden wir freundlich empfangen. Einzig unser Velo hängt am Zoll fest. Glücklicherweise treffen wir auf eine Mitarbeiterin des Schweizer Konsulates. Sie hilft uns und erklärt, dass wir für unser Pino noch eine Gebühr von umgerechnet einem Dollar bezahlen müssen, damit wir es aus dem Zoll kriegen. Sie zeigt uns den Weg zur Zahlstelle und erzählt, dass sie auf eine Lieferung von 60 Flaschen Schweizer Wein warte, welche in unserem Zug mitreiste. Hätten wir dies bloss vorher gewusst!

Mit meinem Vater trifft aber eine andere Überraschungslieferung aus der Schweiz ein. Die Firma Icebreaker deckt uns mit je einem Kurz- und einem Langarmshirt ein. Wir freuen uns riesig und sagen ganz herzlich DANKE! Die Icebreaker Produkte sind für uns auf dieser Reise zu einem ständigen und unverzichtbaren Begleiter geworden. Die Merinowolle trocknet schnell und stinkt auch nach zahlreichen Radlertagen (fast) nicht. Sehr hilfreich, gerade hier in der Mongolei, da wir uns und die Kleider auf Grund fehlenden Wassers tagelang nicht werden waschen können.

Das Wetter spielt leider nach der Ankunft von Hans immer noch verrückt. Da am geplanten Abfahrtstag 15 cm Schnee liegen, verschieben wir die Abfahrt nochmals um einen Tag. Ein weiser Entscheid. Am nächsten Morgen scheint die Sonne und die Temperaturen sind angenehm warm. Bald lassen wir das Chaos Ulan Bators hinter uns und geniessen die unglaublichen menschenleeren Weiten der Mongolei. Im Vorfeld konnten wir uns dies kaum vorstellen. 3 Millionen Menschen leben auf einer Fläche, die 5 Mal so gross ist wie Deutschland. 1.2 Millionen davon wohnen in der Hauptstadt. Die restlichen Mongolen haben die Steppe und die Berge für sich allein und für ihre rund 36 Millionen Tiere.​

​Am zweiten Tag schlägt das Wetter wieder heftig um. Rechts von uns tobt ein Schneesturm, links von uns ein Sandsturm und wir kämpfen in der Mitte gegen extremen Gegenwind. Glücklicherweise entdecken wir am Abend ein einfaches Hotel. Zelten bei diesem Sturm wäre nicht sehr angenehm gewesen, zumal sich die Temperaturen gegen den Gefrierpunkt bewegen. Die nächsten Tage kämpfen wir immer wieder gegen extremen Gegenwind. Das Ganze zerrt an den Kräften. So hat Alena Probleme mit ihrem Knie und Hans mit der Achillessehne. Nach einem Ruhetag in Tsetserleg sind beide wieder einigermassen fit. Gerade rechtzeitig, denn ab hier ist es nun vorbei mit dem schönen Asphalt und wir fahren über sandige Pisten. Einfach herrlich, aber sehr anstrengend. Hans hätte sich sicherlich ein einfacheres Land für seine erste Velotour aussuchen können.

Der lästige Gegenwind bleibt ein ständiger Begleiter. Eines Tages bremst er uns so stark aus, dass wir kaum vom Fleck kommen. Als wir nach dem Mittagessen die Fahrt für den Tag abbrechen, stehen gerade mal 17 gefahrene Kilometer auf dem Tacho. Doch der frühzeitige Halt hat auch dieses Mal seine positive Seite. Kaum haben wir die Zelte aufgerichtet, erhalten wir Besuch von zwei jungen Hirten. Mit Händen und Füssen und mit Hilfe unseres Phrasebooks verständigen wir uns. Sie meinen der Wind sei viel zu stark und wir sollen doch bei ihnen in ihrem Ger (Jurte) übernachten. Gerne nehmen wir die Einladung an, nimmt es uns doch schon länger Wunder, wie es im Innern eines Gers aussieht. Zuerst drehe ich aber mit den beiden eine Runde mit dem Pino.​

In einem mongolischen Ger gilt es viele Regeln zu beachten. So soll man sich als Besucher immer nur auf der linken Seite aufhalten. Die Gastgeber bleiben während dieser Zeit auf der rechten Seite. Die Füsse darf man nicht gegen die Menschen strecken, aber auch nicht gegen die Türe oder gegen den Ofen, welcher in der Mitte des Zeltes steht und mit Yak-Dung betrieben wird. Darauf kochen uns die beiden Brüder einen feinen Tee und ein einfaches Abendessen. Die beiden verbringen den Sommer zusammen mit einem Freund getrennt von der Familie hier im Ger und bewachen die zahlreichen Yaks, Pferde und Schafe. Es spricht sich wohl in der Nachbarschaft rum, dass wir hier sind. So kommen am Abend verschiedene Personen zu Besuch. Der Platz im Ger ist sehr beschränkt. Wir drei Gäste schlafen auf unseren Schlafmatten auf dem Boden und die drei Gastgeber teilen sich das einzige schmale Bett. Am nächsten Morgen erhalten wir nochmals Besuch. Der Grossvater von den zwei Brüdern schaut mit einem Bekannten vorbei. Leider sind beide bereits sturzbetrunken und der Freund des Grossvaters verlangt Vodka von uns. Die Situation ist angespannt und er will Hans sogar an den Kragen, als dieser ihm sagt, er habe keinen Vodka. Unseren drei Gastgebern ist die Situation sichtlich peinlich. Sie greifen beruhigend ein und wir verabschieden uns so schnell wie möglich.​

Der Alkoholkonsum ist in der Mongolei ein grosses Problem. Vodka ist extrem günstig und überall zu kaufen. Zum Glück bleibt dies die einzige wirklich negative Situation, in welche wir verwickelt sind. Allerdings ist es für uns erschreckend zu sehen, wie oft dass Väter besoffen sind. Wir können uns kaum vorstellen, wie schlimm es für Kinder oder Ehefrauen sein muss, um mit den besoffenen Männern und Vätern klarzukommen. Wir treffen unterwegs auch auf einen Mongolen, welcher mit seinem Motorrad im Graben liegt. Wir wollen ihm zuerst helfen, das Bike zurück auf die Strasse zu schieben, erkennen aber bald, dass er extrem betrunken ist und kaum mehr stehen kann. Als wir sicher sind, dass er vom Sturz unverletzt geblieben ist, lassen wir ihn zur Ausnüchterung zurück. Wir wollen nicht riskieren, dass er in diesem Zustand weiterfährt und nochmals einen Unfall baut.​

Mit einem Ausflug per Jeep zum Khövsgöl Nuur lassen wir die schöne gemeinsame und erlebnisreiche Zeit mit Hans ausklingen. Mit einer Grösse von 2’760 Quadratkilometern und einer Tiefe von bis zu 262 Metern fasst der See 1 – 2% des gesamten Süsswasservorkommens der Welt. Im Winter ist er jeweils komplett zugefroren und wir haben das Glück, dass noch nicht alles Eis geschmolzen ist. Es ist faszinierend, den driftenden Schollen zuzuschauen und zu hören, wie das Eis aneinander reibt. Bei dieser wunderschönen, unberührten Natur erstaunt es nicht, dass Hans gerne noch den EINEN oder anderen Tag länger geblieben wäre.

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