Kirgistan

21.8. - 25.9.2011

Statistik Kirgistan

  1. 35 Tage im Land
  2. 18 Nächte in Hotel
  3. Keine Nächte bei Privat
  4. 17 Nächte im Zelt
  5. 15 Tage im Sattel
  6. 868 km / 10921 hm
  7. 04 Pannen

Verklemmter Abschied

Einmal mehr kommt es anders als geplant. Vier Tagesetappen und zwei Pässe trennen uns noch von China. Als ich am Morgen des ersten Tages aufwache, kann ich mich kaum bewegen: ich habe mir in der Schulter einen Nerv eingeklemmt, an Fahrradfahren ist nicht zu denken. So ein Mist! Wir haben uns auf die Fahrt über den Torugart-Pass gefreut und hatten die Sonderbewilligung für diese Region bereits in der Tasche. Selber fahren ist insgesamt zwar nur CHF 60.- günstiger als mit einem Transport, aber die Gegend muss sehr schön sein. Abwarten bis ich wieder fahrtüchtig bin ist keine Option, da die Chinesen wegen ihres Nationalfeiertags in ein paar Tagen die Grenze eine Woche lang schliessen. Zusätzlich zu jedem Wochenende, versteht sich. Und da der Feiertag auf einen Dienstag fällt machen sie selbstverständlich am Montag ebenfalls dicht. So bleibt uns nichts anderes übrig, als ein Fahrzeug zu organisieren.

Wir trauen unseren Augen nicht, als ein stinknormaler Personenwagen (Marke Mazda) vor unserer Nase hält und der Fahrer den Kofferraum öffnet. Soll das ein Witz sein? Da rein wollen sie unser Tandem, den Anhänger, das ganze Gepäck und uns zwei laden? Wir werden richtig sauer, als sie nach dem fünften Mal erklären immer noch nicht kapieren, dass es aussichtslos ist. Jeder Widerstand bringt nichts, wir müssen das Pino auseinander schrauben und ins Auto würgen. Erst als der PW mit Velo und Anhänger schon gut gefüllt ist und sie sehen, wie viel Gepäck da noch rein soll, teilen sie uns mit, dass sie ein grösseres Auto organisieren müssen. Welch Überraschung.

Als wir am nächsten Morgen komfortabel in einem Minivan Richtung chinesische Grenze rollen, stellen wir erleichtert fest, dass wir landschaftlich nicht viel verpassen - wir haben uns die Region spektakulärer vorgestellt. Das kann aber durchaus auch am diesigen Wetter liegen, welches die Fernsicht verdirbt.

Auf diesen Metern gehen unsere 15 Wochen in Zentralasien zu Ende. Wir blicken zurück auf eine fantastische und abwechslungsreiche Zeit in vier komplett unterschiedlichen Ländern. Es war alles dabei: brutale Hitze (54°C) bis Temperaturen unter Null und Schneegestöber, herrliche Campingplätze, menschenleere Gegenden, üble Pisten und feinster Asphalt, dünne Höhenluft und versmogte Städte, traumhafte Landschaften, Pechsträhnen mit Krankheiten und Pannen. An fast allen Orten wurden wir herzlich empfangen.

So abwechslungsreich die Erlebnisse, so einseitig war das Essen. Frisches Gemüse und Obst war in vielen Regionen schwer zu finden, besonders im Pamir. Und wenn, dann gab es nur Kartoffeln, Karotten, Kohl, Peperoni, Zwiebeln und Knoblauch, ab und zu noch Gurken und Äpfel - eben alles, was den langen Transport in die Höhe überlebt und eine Zeit gelagert werden kann. Wir ernährten uns hauptsächlich von Fertignudelsuppen (mittags), Reis mit Bohnen aus der Dose (und falls vorhanden mit frischem Gemüse) und Pasta mit Sauce aus Tomatenpüree. Und kiloweise Snickers! Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass unsere Vorfreude auf das Essen in China mit jedem Tag stieg. Die Städte Bukhara, Samarkand, Dushanbe, Khorog, Osh und Bishkek waren unsere kulinarischen Oasen - wir genossen das vielfältige Angebot und schlemmten wie die Verrückten.

Wer sich für Zentralasien interessiert, dem empfehlen wir das Buch Tamerlans Erben von Peter Böhm. Die elektronische Version wimmelt zwar von Schreibfehlern; trotzdem ist es sehr informativ und spannend, besonders wenn man in dieser Gegend unterwegs ist.

Absolut sehenswert ist zudem die DOK Serie Seidenstrasse des Schweizer Fernsehens. Peter Gyslin reist zusammen mit einem Kamerateam von Venedig nach X’ian in China und besucht viele Orte, die ebenfalls auf unserer Route lagen. Er kommt auch in Kashgar vorbei, unserem ersten Ziel in China. In diesem Sinne: ab über die Grenze!

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