Mongolei

1.5. - 15.7.2014

Statistik Mongolei

  1. 76 Tage im Land
  2. 41 Nächte in Hotel
  3. 3 Nächte bei Privat
  4. 31 Nächte im Zelt
  5. 45 Tage im Sattel
  6. 2447 km / 20854 hm
  7. 8 Pannen

Wellnessurlaub

Nach dem Besuch bei den Rentiernomaden wollen wir über den Jiglegiin Davaa zum Khövsgöl Nuur fahren. Von anderen Radfahrern wissen wir, dass die Strecke zwar einige Schlammpassagen beinhaltet, aber trotzdem machbar ist. Wir verfügen über einen genauen Routenbeschrieb und die Strasse ist auch auf einer Karte eingezeichnet. Wir wissen also, dass es anstrengend wird. Doch wie sehr? ​

Erst später erfahren wir, dass es in dieser Gegend kurz davor während Tagen heftig geregnet hat. Nicht gerade förderlich für den Zustand der Strassen! Schon kurz nach Renchinlkhumbe geht es los. Die Piste verliert sich im Wald und es wird immer sumpfiger. An Fahren ist nicht zu denken. Viel mehr geniessen wir ein knietiefes Schlammbad. Aber hey, wir wollen uns nicht beklagen - viele Leute bezahlen ein Vermögen für so was! Nach einigen Kilometern Schieberei wird es wieder besser. Doch nun werden wir von einem Schwarm Bremsen umzingelt. Unsere verschwitzten und verschlammten Beine sind ein Festessen für die lästigen Viecher und wir erhalten eine ungewollte Akupunktur. Zur Abkühlung der Stiche folgt nun eine Passage, auf welcher wir unzählige Male denselben eiskalten Fluss durchqueren müssen. Das Wellnesspaket beinhaltet also auch eine Kneippkur. Die Steine, die dabei in unseren Sandalen stecken bleiben, verhelfen uns zu einer schmerzhaften Fussreflexzonenmassage. Am Abend folgt dann die wohlverdiente Dusche. Allerdings nicht in einem warmen Fluss, sondern in Form eines heftigen Regengusses von oben. Die Massage, welche uns nach so einem Tag eigentlich zustehen würde, entfällt. Wir sind schlicht zu müde und schlafen sofort ein.​

Am nächsten Morgen geht es gleich wieder heftig los. Es steht Krafttraining in Kombination mit Schlammpackung auf dem Programm. Die letzten zwei Kilometer hoch zum Pass führt die Strasse nochmals durch knietiefen Schlamm. Wir benötigen all unsere Kraft, um unser schweres Rad da hoch zu schieben. Oben angekommen ist die Freude riesig, es bis hierhin geschafft zu haben. Doch an ein gemütliches Runterrollen ist nicht zu denken. Nach weiteren zwei Kilometern durch den Schlamm geht die Strasse in eine üble Schotterpiste über, weshalb wir auch hier meist schieben. Als wir gegen Abend endlich den Khövsgöl Nuur erreichen, freuen wir uns schon auf ein gemütliches Ausrollen dem See entlang. Doch zum Abschluss des Tages wird uns noch Hochprozentiges serviert. Ein Hügel mit 25 Steigungsprozenten zwingt uns in die Knie. Hier kriegen wir das Pino nicht mal schiebend hoch. So wird alles abgeladen und die Sachen einzeln den Hügel hoch getragen. Total kaputt aber glücklich stellen wir an einem traumhaften Platz am See unser Zelt auf. Hier stelle ich dann fest, dass unser Wellnessurlaub auch noch ein paar Wandertage beinhalten wird. Unser Rahmen ist zum zweiten Mal auf dieser Reise gebrochen und an ein Weiterfahren ist nicht zu denken. Die nächste Ortschaft liegt ca. 70 Kilometer entfernt, sprich 3 Tage Schieben warten auf uns. Frustriert schlafen wir ein.​

Tags darauf machen wir uns nicht gerade motiviert auf zu unserer Wanderung. Doch nach genau 5.55 Kilometern kommt Hilfe. Drei Mongolen haben eine Panne an ihrem russischen Minivan und versuchen, diesen zu reparieren. Sie fragen uns, wieso wir denn nicht fahren. Als wir ihnen den gebrochenen Rahmen zeigen, machen sie sich sofort daran, diesen zu reparieren. Wir versuchen ihnen klar zu machen, dass sie dies doch lassen sollen. Wir sehen keine Chance, dass sie dies so stabilisieren können, um damit wieder fahren zu können. Doch sie lassen sich nicht abhalten. Mit einer gewöhnlichen Axt spitzen sie ein Holzscheit so zu, dass es genau unter die gebrochene Stelle passt und als eine Art Schiene dient. Das Ganze wird dann mit Draht und Spanngurten so fixiert, dass sich die Bruchstelle keinen Millimeter bewegt. Ungläubig schauen Alena und ich uns an. Dies könnte funktionieren! Wir wagen es und werfen immer wieder einen kontrollierenden Blick auf die Bruchstelle. Sie hält. Unsere Retter in der Not überholen uns ein paar Stunden später freudig winkend. Auch bei uns ist die Freude gross: wir können so nicht nur in das 70 Kilometer entfernte Khatgal, sondern noch 100 Kilometer weiter bis nach Mörön fahren. Dort lassen wir den Rahmen schweissen und feiern die abenteuerlichsten drei Wochen der bisherigen Reise mit einem feinen Abendessen und einer Flasche Wein - wie es sich für einen anständigen Wellnessurlaub gehört.​

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